Unsere Gedanken erschaffen die Wirklichkeit und dazu müssen sie, solange wir unsere telepathischen Fähigkeiten nicht wiedererlangt haben, zunächst einmal in Worte gekleidet werden, um sie den Mitmenschen zur Kenntnis bringen, darüber diskutieren und schließlich daraus eine gemeinsame Vorgehensweise kreieren zu können. Das ist eine dieser Binsenweisheiten, die eher die Bezeichnung Binsen-Wahrheit verdient hätte.

In letzter Zeit ist mir aufgefallen, daß viele Menschen in meinem Umfeld regelmäßig davon sprechen, daß sie sich außerordentlich auf die Zeit freuen, wenn dieser Wahnsinn endlich vorbei sein wird. Gemeint ist damit natürlich das derzeitige Eingeschränktsein in der persönlichen Freiheit, also in erster Linie das Einkaufen mit Maske, das Busfahren mit Maske, das Zugfahren mit Maske, das Benutzen der Fähren mit Maske und das Fliegen mit Maske sowie das Gebot des Abstandhaltens, sobald man sich außerhalb seiner eigenen vier Wände aufhält. Abgesehen davon, daß die Leute damit ihren Frust und ihre Unzufriedenheit über diese “neue Normalität” zum Ausdruck bringen, offenbaren diese Worte etwas viel Tiefliegenderes:

Dieses ersehnte “Vorbei-Sein” hat nichts mit mir oder meinem Handeln zu tun, es wird schon irgendwann irgendwie von selbst passieren, hoffentlich bald. Es hängt also nicht von mir ab, ob ich demnächst mal wieder ohne schwitzige Maske einkaufen oder lieb gewonnene Bekannte auf der Straße mit einer Umarmung und einem besito begrüßen kann, vielmehr ist es die Regierung, die mir das wieder erlauben muß und das wird sie nicht tun (können), solange uns die Natur mit ihren Viren malträtiert.

Wenn dies Menschen denken und sagen, die in der Corona-Lüge gefangen sind, dann ist das traurig, aber in seiner Schlüssigkeit kaum zu beanstanden. Allerdings gehören zu denjenigen, die den Satz aussprechen, Was freue ich mich darauf, wenn dieser Wahnsinn endlich vorbei sein wird, auch Menschen, die von sich behaupten, sie hätten die Lüge durchschaut, könnten aber nichts dagegen machen, außer sich positive Vorstellungen über die Zukunft machen, die beginnt, sobald dieser Wahnsinn vorbei ist.

Es unglaublich schwer, dem reißendem Strom, von dem wir alle erfaßt worden sind, nicht instinktiv Widerstand entgegenzusetzen und sich zu wehren, aber das viel-zitierte “Wirken im Strom” kann nur halbwegs funktionieren, wenn wir mit unseren, aus Gedanken und Wünschen geborenen Worten kein inhaltsleeres Zukunfts-Gebilde manifestieren, bei deren Gestaltung wir nur ohnmächtige Zuschauer sind, die sich lediglich darauf freuen können, daß der Wahnsinn hoffentlich bald sein Ende findet, sondern konkret imaginieren, was kommen wird. Dazu gehört wohl auch der “richtige” Gebrauch entsprechender Floskeln und Redewendungen.

Insofern werde ich ab sofort bemüht sein, mich nicht (nur) auf ein hoffentlich baldiges Ende des Wahnsinns zu freuen, sondern meine Sehnsucht nach einer erfreulicheren Zukunft lieber in folgende Worte fassen: Was freue ich mich darauf, wenn wir endlich mit der Umsetzung der Dreigliederung begonnen haben…

A.K. 13.08.2020