Wen einmal die Erkenntnis gepackt hat, daß es tatsächlich eine gesellschaftspolitische Lösung unserer Probleme außerhalb der Polarität Kapitalismus – Kommunismus/Sozialismus gibt und jene nicht darin besteht, diese beiden unvereinbaren Extreme in irgendeiner Form doch zusammenbringen zu wollen (zum Beispiel als “soziale Marktwirtschaft” oder “Staats-Kapitalismus” wie in China), dann läßt sie einen auch nicht mehr los. So geht es mir mit der Dreigliederung des sozialen Organismus und der damit einhergehenden Entflechtung der Nationalstaaten. Der Aha-Effekt in meinem Kopf war wohl ähnlich gewaltig wie im Film “Contact”, als Jodie Foster entdeckte, daß der von den Außerirdischen gesendete Bauplan für die Zeitmaschine kein flaches Papier, sondern ein dreidimensionales Hologramm ist.

Ein wenig später weicht die Erkenntnis dem Erstaunen darüber, daß die seit über 100 Jahren auch in höchsten politischen Kreisen bekannte Dreigliederungs-Lösung nicht längst auf allen Ebenen des menschlichen Zusammenlebens praktiziert wird und vor allen Dingen “im Großen” sogar eine diametral entgegengesetzte Entwicklung hin zum heillos verflochtenen und verfilzten “Einheitsstaat” eingetreten ist. Steiner selbst hat ja schon in den 1920er Jahren nach Entstehung der Weimarer Republik den von ihm erst einige Jahre vorher gesetzten Impuls für (vorerst) gescheitert erklärt, und danach hat meines Wissens bisher auch nur ein einziges Land auf dieser Erde ernsthaft versucht, die Dreigliederung als “Staatsform” umzusetzen: Die Tschechoslowakei 1968 unter Dubček. Allerdings ist das seinerzeit im Prager Frühling erst zart sprießende drei-blättrige Pflänzchen bekanntermaßen gleich von Panzerketten restlos zermalmt worden, kaum daß es die Erdoberfläche durchstoßen hatte und ward seitdem auf der großen Weltbühne nirgends mehr gesehen. Nur “im Kleinen” darf und durfte der Dreigliedrigkeits-Keim ab und an, quasi unter Laborbedingungen und strenger Überwachung, Blüten ausbilden und seine Funktionstüchtigkeit unter Beweis stellen, bevor ihm dann aber sicherheitshalber auch hier der Hahn abgedreht wird. So wie in Form der frühen Waldorfschulen sichtbar oder im überaus erfolgreichen Interregio-Projekt der Deutschen Bahn von Prof. Bodack.

Als Dreigliederungs-Rookie fehlt es mir im Gegensatz zu all den bewunderungswürdigen, altgedienten anthroposophischen Kämpfern mit Sicherheit an Durch- und Einblick, wieso eigentlich Dornbirn, Bad Boll, Achberg und Berlin – um nur einige zu nennen – nicht an einem Strang ziehen und eine gemeinsame Strategie für die anstehende dritte Dekade unseres Jahrhunderts entwickeln. Eine allseitige Erkenntnis, daß die Dreigliederung schon vom Gedankenmodell her nicht die (jetzige) politische Realität der Nationalstaats-Gebilde aufbrechen kann, scheint jedoch definitiv nicht der Grund zu sein. Wenn wir uns aber alle darüber einig sind, daß es funktioniert, dann sollten die Kräfte gebündelt werden und sich nicht länger spalten und zerfasern lassen.

Nun kann man von Axel Burkart halten, was man will, aber in einem Punkt hat er völlig Recht: Dem anthroposophischen Weltbild zufolge sei es zwar Aufgabe des “deutschen Geistes”, den Dreigliedrigkeits-Gedanken in die Welt zu bringen und ihn auch umzusetzen, das bedeute aber nicht zwingend, daß man mit der Entflechtung des Einheitsstaates auch in der Bundesrepublik Deutschland anfangen muß. Alleine die geopolitische Verstrickung Deutschlands als NATO-Mitglied und EU-Oligarch stellt bereits ein derart großes Hindernis dar, daß jede noch so optimistische Phantasie als Utopie erscheint. Und wenn Axel Burkart dann im nächsten Satz von Österreich spricht und seiner spirituellen Aufgabe im Weltenplan, mag bei manchem ein ähnlicher Aha-Effekt eintreten wie oben beschrieben. Na klar “Felix Austria”! Zwar in der EU, aber nicht in der NATO, an der Schnittstelle zwischen West und Ost, ständig um gute Beziehungen zu Rußland bemüht und mit nur knapp einem Zehntel der Bevölkerung der Bundesrepublik sowie entsprechend kleinerem Staatsgebiet auch wesentlich überschaubarer, was die Herausbildung und Weiterentwicklung von Selbstverwaltungs-Strukturen auf allen Ebenen und in allen Lebensbereichen betrifft. Der ideale Kandidat für ein Pilotprojekt der Nationalstaatsentflechtung!

Da der Prophet aber im eigenen Land ja nichts zählt, kennt man Rudolf Steiner in seinem Heimatland Österreich offensichtlich noch weniger als sonstwo auf der Welt und der Umstand, daß der link im Unterpunkt “Dreigliedrigkeit” auf der website der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft – Landesgesellschaft in Österreich unmittelbar das Fenster zum Institut für soziale Dreigliederung von Sylvain Coiplet in Berlin öffnet, zeigt deutlich, daß es auch keine eigene, österreich-spezifische Dreigliedrigkeits-Bewegung gibt. Da sich die Österreicher ansonsten nichts von den “Piefkes” sagen lassen, ist das schon erstaunlich, zumal gerade jetzt die vom “Ibiza-Video” verursachten Verwerfungen eigentlich die ideale Gelegenheit bieten, das Übel an der Wurzel zu packen.

Nun bin ich selber ein halber Österreicher (meine Großeltern mütterlicherseits sind noch als Untertanen von Kaiser Franz-Joseph I auf die Welt gekommen) und auch zur anderen Hälfte kein Piefke, sondern väterlicherseits Bayer durch und durch, also durchaus befugt, mich persönlich von den Zeichen der Zeit in Österreich angesprochen zu fühlen. Ich greife die Idee hiermit auf. Den ersten Schritt zur Umsetzung habe ich bereits getan und mir die Domain “Pilotprojekt-Dreigliederung.de” reservieren lassen. Als zweiten Schritt stelle ich mir vor, auf dieser website eine Art “Online-Pflanztrog” zu schaffen, in den unsere Gedanken und Ideen, Vorschläge und Vorstellungen als Humus für den österreichischen Dreigliedrigkeits-Samen eingebracht werden. Noch ist da außer dem Gedanken, in Österreich mit der Entflechtung anzufangen, und zwar jetzt und sofort, nichts drin und es liegt an Euch, mehr und mehr Nährboden einzufüllen. Jeder, der Ähnliches fühlt oder dem selber diese Gedanken im Hirn herumspuken, ist mir als Weggefährte herzlich willkommen! Womöglich sammeln wir auf unserem Weg irgendwie und irgendwo “gestrandete” Dreigliederer ein und aktivieren sie wieder oder treffen gar auf eine größere Gruppe von Gleichgesinnten, der wir uns anschließen oder die wir von unserer Sache überzeugen können.

Ich freue mich über jeden Kontakt oder die Vermittlung eines Kontaktes. Vernetzen wir uns und gehen es an!

Ciao-Alfons / Mo., 17.06.2019